Körpererfahrung

Kurztexte, Blogeinträge, Artikel

29.04.2020

Nichtstun, tun und trotzdem nichts erschaffen

Nichts kommt raus. Keine Inspiration, kein Tatendrang. Blockade pur. Die Sätze formen sich nur langsam. «Ein Nichtsnutz», denk ich - oder mein Ego – und ich denk an all die Leute die jetzt arbeiten und fühle mich schlecht. Wie doch mein Denken geprägt ist von der Leistung. Stillsein geht nicht. Nichtstun geht nicht. Nicht nützlich sein, das geht nicht. Und doch ist sie in meiner Kehle, diese Blockade, dieses, das nicht sein darf.

In verschiedenen Seminaren, dem Studium der vielen Frieden und des tantrischen Buddhismus habe ich gelernt, dass Gefühle gefühlt werden möchten. Wie also fühlt es sich an? Dieses Gefühl? Mein Verstand versucht es zu verstehen, es einzuordnen. Würde ich mich dem hingeben, so würde ich doch nur Tage auf der Matte liegen, ohne etwas zu tun. Ha! Wieder ein gedanklicher Zirkelschluss, der mich in die Hastigkeit des Alltags treibt – von einer Handlung zur nächsten, ohne den Moment zu fühlen. Was bleibt? Radikales Fühlen.

Ein schwarzes Loch tut sich auf, und wir starren uns an. Ich bin wie gelähmt. Mein Nacken ist hart zurückgebunden. Ich kenne dieses Gefühl. Es fühlt sich an, wie in Klauen Maras gefangen zu sein oder wie eine Sucht. Die Sucht, die mich antreibt, und mich doch nie ankommen lässt. Gleichzeitig ist es auch eine Gier nach mehr. Mara ist die teuflische Gestalt, die das buddhistische Rad des Lebens in den Händen hält: Gier, aber auch Tod und Lust. Was soll ich damit? Ich fühle weiter. Die Blockade spüre ich im Nacken, im Kiefer, auf und um den Lippen. Ganz fein auch im Schädel, und es zieht sich von der Kehle netzartig in die Arme und Hände, besonders in den linken Mittelfinger. Es melden sich auch der linke Fuss und die linke Leiste.

Ich habe ich immer noch Angst vor diesen körperlichen Empfindungen. «Ihr dürft sein», spreche ich in meinen Körper hinein. Und ich fühle, wie meine Kehle langsam weit wird und eine feine Welle von Güte langsam durch meinen Körper fliesst und sich ausbreitet. Ich bin erstaunt über dieses Gefühl und freue mich zugleich, dass ich diese Qualität besitze. Ich muss an meine Mutter und meine eigene Mütterlichkeit denken. Diesen Gedanken tragend, erlischt das Gefühl wieder. Gedanken. Gedanken. Gedanken.

Enttäuscht öffne ich die Augen und realisiere, dass ich zwar mal nichts tun wollte, trotzdem etwas gemacht habe, aber doch nichts erschaffen habe. So gehe ich weiter. Und weiter. Und weiter im Rad.